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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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Jahrhundert, XV. Capitel. 545

Gültigkeit des Bestallungsbriefes nur auf ein Jahr erstre-cket wurde; daß alfo der Prinz/ vielmehr als die andernGenerale/ einen Unterthanen vorstellte / und nicht einmaldie Freyheit hatte/ die Kriegsoperationen/ von welchener doch Rechenschaft geben sollte / nach seinem Gutachteneinzurichten. Ein jedweder anderer Mann / ausser demvan Witt/ würde bedacht haben/ daß er/ indem er zuviel fordere / sich des wenigen / was er erhalten könnte/würde beraubet sehen müssen. Seine Freunde geben vor/daß er deswegen auf solche Art verfahren / nicht so wohlum seinen Widersacher wirklich dermaßen einzuschränken/als vielmehr um Ludwig den XIV nicht unwillig zu ma-chen. Aber er war viel zu gut erleuchtet/ als daß er nichtsollte begriffen haben / daß / seitdem er sich standhaft fürdie Tripleallianz erkläret hatte/ Frankreich in Ansehungder beiden widrigen Partheyen ganz gleichgültig gewordenseye. Dem scye nun wie ihm wolle / Wilhelm machteaus seiner Capitulation mit den Staaten ein persönlichesWerk/ von dem er wohl versichert war/ es zu seinem Vor-theil zu wenden / wann ihn die Truppen nur einmal alsihr Oberhaupt erkennet hätten. Die Soldaten sind balddahin gebracht/ ihren General für den einzigen zu halten/dem sie Gehorsam zu leisten schuldig wären.

H. 4. Der Prinz wird zum Statthalter ernennet;

van Witt aber hingerichtet.

Der Verdruß und der Eigensinn der Republikanerschienen so sehr übertrieben zu seyn / daß man die vonOberyssel/ als ob sie das Joch des Bischofs von Münsterden Geboten eines Statthalters vorgezogen hätten / denPensionarius selbst aber/ im Verdacht hatte/ als ob erblos alleine Holland habe verwahren wollen; von welcherProvinz ihrem/ in ihn gesetzten, Vertrauen, er die Mei-nung gefaßt hatte / daß es wider alle Bemühungen undIntriguen der statchalterischen Parthey standhaft aushal-Erster Theil. Mm ten