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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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688 Staatsgeschichte von einem

daß die Aerzte so gar oft das Ende eines jeden Jahresfür sein Lebensende ausgaben, welcher endlich bis zur völ-ligen Vollendung der Regimentsveränderung nicht wüste,ob er nicht doch seiner Gemahlinn würde unterworfen seynmüssen? Er hatte bey diesem Anschlag mehrere Vorur- /theile zu ersticken, als Cromwel; in der Völlzrehung we-nigere Hindernisse zu übersteigen, und von dem Erfolgweniger Vergnügen zu erwarten. Hatte man nicht al-lenthalben Ludwig den XIV so sehr gefürchtet und gehas,sei, so würde eine solche unrechtmäßige Anmaßung, dieden übrigen Mächten noch darzu mehr gleichgültig gewe-sen wäre, dem Anmasser den Haß von ganz Europa zu-gezogen haben. Nur durch Hülfe der Dienste, welcheer der allgemeinen Freyheit geleistet, hat er sich darauserrettet.

Entweder wollten die Ministers dem Grafen vonAvaux einen Schimpf anthun, oder sie sehten wirklich einMistrauen in die Treue seiner Berichte, oder sie warennur auf eine unbescheidene Weise neugierig, gewisse Um-stände zu erfahren: soviel ist aber gewiß, daß sie einender vornehmsten Commissarien an die Kammer des See-wesens nach Holland schickten, mit dem Auftrag, denWerth der Nachrichten des Abgesandten zu erforschen,indem er die Seehäfen und Zeughäuser der Republik be-sichtigte. Dieser Mann, der aller Wahrscheinlichkeitnach mcht wüste, daß die Holländer ihre Rüstungen Tagfür Tag machen, und welcher übrigens sonst nur eineZurüstung aus blosser Vorsicht zu sehen gewohnt war,bey einer Flotte von hundert Schiffen von der Linie, wel-che der König sein Herr unterhielte, berichtete seinenObern die schlechte Meinung von der Stärke der Repub-lik, welche ihm zwanzig Kriegsschiffe im Wasser bey-brachten. Ludwig der XIV, dem Jacob von einer zahl-reichen Flotte und mächtigen Armee viel Wesens gemachthatte, erkannte es nun für einen Betrug, und war ganzsicher. Wilhelm, der in seinen Küstern die vier Millio-