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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XX. Capitel. 72-

kaiserlichen Staatsrarh zu verhindern, daß er nicht dasJoch über die bezwungenen Ungarn noch schwerer machte.

Da der Türk auf Frankreichs Anhalten sich hatte be-wegen lassen, an den ungarischen Angelegenheiten Antheilzu nehmen, so leistete die Pforte dem Töstely mächtigeHülfe, ohne doch den Stillstand brechen zu wollen, wel-cher noch zwey Jahre dauren sollte. Sie erkannte ihn indem Titel, den er annahm, als einen Magnaten vonOberungarn, und machte auf den Gränzen grosse Zurü-stungen. Der Kaiser , der an einem Kriege nicht mehrzweifelte, suchte die Verbindung mit Polen wieder, mitwelchem er diesen Feind gemein hatte.

§. 2. Zustand von Polen. Regierung des

Sobiesky.

Seit dem olivischen Frieden hatte der König vonPolen, Johann Casimir, welcher keine Kinder hatte, sichvon seiner Gemahlinn bereden lassen, die Nachfolge aufeinen französischen Prinzen zu bringen. Einige sagen)daß sie ihre Absicht auf den Sohn des grossen Conde ge-richtet, andere aber, welche den Haß, den Ludwig gegendieses Haus trug, in Erwegung ziehen, behaupten, daßder Herzog von Neuburg der rechte Candidat gewesen^,welchen Frankreich dem Herzoge von Lothringen, Carlndem V, entgegen sehte. Dem sey, wie ihm wolle, somachte diese Begierde, anzuordnen, wie es mit seiner Kro-ne nach seinem Tode gehalten werden sollte, den Rest derRegierung Casimirs eben so dunkel, als deren Anfang.Lubomirsky, der an der Spitze der österreichischen Par-they war, machte ihm alle seine Maasregeln zu nichte,auf den Reichstagen durch heimliche Verständnisse undVerbindnisse, und bey den Armeen durch eine Confedera-tion. Nachdem Casimir seine Gemahlinn, welche unterseinem Namen den ganzen geheimen Handel geführet hat-te , verlohren, so merkte er, wie unvermögend er sey,

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