Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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mochte, habe ich, bei dem raschen Gang und derUeberstürznng der Ereignisse, niemals in Erfahrunggebracht.

Ich bewunderte die Vollkommenheit der Nachahmungund der Gedanke stieg in mir auf: Nur ein großerKünstler, nur ein Welscher kann dieses zu Stande ge-bracht haben: und da ich für den Ruhm meines Vater-landes begeistert bin, brach ich in die Worte aus: „Voll-endet! Meisterhaft!" — wahrlich nicht den Betrug,sondern die darauf verwendete Kunst lobend.

„Schäker, Schäker," grinste mit gehobenem Fingerdas schamlose Weibchen, welches mich aufmerksam be-obachtet hatte: „Ihr habet mich überlistet und ich weiß,was es mich kostet! Nehmet Euern Possenreißer, den ichEuch stracks holen werde, unter den Arm, haltet reinenMund und ziehet mit Gott!" Wann auf den siebenHügeln zwei Auguren sich begegneten und, nach einemantiken geflügelten Worte, sich zulächelten, wird es einfeineres Spiel gewesen sein, als das unreinliche Gelächter,welches die Züge meiner Aebtissin verzerrte und sich indie cynischen Worte übersetzen ließ: „Wir Alle wissen,wo Bartolo den Most holt, wir sind Schelme alle-sammt und keiner braucht sich zu zieren."