Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Ich aber sann inzwischen auf die Bestrafung desnichtsnutzigen Weibchens.

Da vernahmen wir bei der Plötzlich eingetretenenStille ein Trippeln, ein Wispern, ein Kichern aus demnahen Chöre und erriethen, daß wir von den müßigenund neugierigen Nonnen belauscht wurden. „Bei meinemtheuern Magdthum," beschwor mich das Weibchen, „ver-lassen wir uns, Herr Bischof! Um keine Güter derErde möchte ich mit Euch von meinen Nonnen betroffenwerden; denn Ihr seid ein wohlgebildeter Mann unddie Zungen meiner Schwestern schneiden wie Scheerenund Messer!" Dieses Bedenken fand ich begründet. Ichhieß sie sich entfernen und ihre Nonnen mit sich nehmen.

Nach einer Weile dann räumte auch ich die Sacristei.Die Thür zu der Kammer des Gaukelkreuzes aber legteich nur behutsam ins Schloß, ohne den Schlüssel darinumzudrehen. Diesen zog ich, steckte ihn unter mein Ge-wand und ließ ihn im Chöre in eine Spalte zwischenzwei Stühlen gleiten, wo er heute noch stecken mag.So aber that ich ohne bestimmten Plan auf die Ein-flüsterung irgend eines Gottes oder einer Göttin.

Wie ich in der niederen äbtlichen Stube mit meinerAebtissin und einem Klostergerüchlein zusammensaß, em-