Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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„Hast du Geld zu dir gesteckt, Freund Mönch?"scherzte Ascanio- „Dein Gelübde der Armuth ist hin-fällig und der Florentiner wird dich überfordern." Erpochte an das Schiebfensterchen des im untern Flure,welchen die Jünglinge eben durchschritten, gelegenenHauskontores. Es zeigte sich ein verschmitztes Gesicht,jede Falte ein Betrug, und der Verwalter der Vice-domini — ein Genuese, wenn ich recht berichtet bin— reichte seinem Herrn mit kriechender Verbeugungeinen mit Goldbyzantinern gefüllten Beutel. Dannwurde der Mönch von einem Diener in den bequemenpaduanischen Sommermantel mit Kapuze gehüllt.

Auf der Straße zog sich Astorre dieselbe tief insGesicht, weniger gegen die brennenden Strahlen derSonne, als aus langer Gewöhnung, und wandte sichfreundlich gegen seinen Begleiter. „Nicht wahr, As-canio," sagte er, „diesen Gang thue ich allein? Eineneinfachen Goldring zu kaufen, übersteigt meinen Mönchs-verstand nicht? Das traust du mir noch zu? AufWiedersehen bei meiner Vermählung, wann es Vesperläutet!" Ascanio ging und rief noch über die Schul-ter zurück: „Einen, nicht zweie! Den deinigen giebtdir Diana! Merke dir das, Astorre!" Es war eine

C. F. Meyer, Novellen. H. ß