Buch 
Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
40
JPEG-Download
 

;6 - .

Uin soviel mehr möchte ich hierüber die bctrognenSterblichen belehren/ je mehr der Geistesgenuß nichtnur edler, sondern auch unabhängiger ist, als derGenuß der Sinnen. Ja, unabhängiger ist er: obaber auch eben so wvlfeil? Aufwand an Geld erfor,dert er nicht, aber Aufwand an Zeit und an Gci,sicskraft. Bey Erwerbung des sinnlichen Genusse-können wir für uns Andere arbeiten lassen; beyErwerbung des geistigen Genusses müssen auch wirselbst mit arbeiten; wir müssen unsre Aufmerksamkeitvon den einen Gegenständen losrissen, und sie anfangsuicht ohne Anstrengung auf andere Gegenstände hin-zrehn. O, damit schreck ich nun auf einmal ganz ab;ich schrecke sondcrheitlich das schöne Geschlecht ab.Eben sein zärterer Bau, seine feinere Empfindlichkeitreizbarere und Imaginazion sind es, welche ihm jede«ernsthaftere anhaltende Nachdenken zur Last machen.Je lebhafter bey ihm jeder gegenwärtige Eindruck ist«desto weniger gelingt ihm die Zergliederung einessolchen Eindruckes, desto weniger seine Auflösungoder die Vergleichung mit seinen Ursachen und Wir,klingen. Und wie denn? Mit anhaltendem Nach-sinnen und mit außerordentlicher Geduld prüft eineSchöne die Falten des Gewandes, die Farbe derSchleifen, die Gestalt des Hutes und Lockengcbäudcs,die Auswahl des Geräthes, die Anordnung derSchüsseln; mit außerordentlicher Geduld studirt siedie verwickelten Verhältnisse der Tonkunst und Tanz-kunst, und bedarf sie viel mehr Geduld und Geistes-