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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
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81
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Mannergeschlccht an, und warum giebt erst nachder Verthäidigung das weibliche nach? Warumschämt sich verliebter Äußerungen der Jünglingweniger, als die jungfraüliche Schöne? Je schwachersie ist, desto mehr liegt ihr an der Verbergung derSchwäche. Freylich in jenen ritterschaftlichcn heroi-schen Zeiten trug ohne Uebclstand das Fräulein demRrtter die Hand an, so z. B. dem Gamurct Amfolisa;dem Gawane Obilot und Antigone, und in VeldeggsAcneidc Lavinia dem Aeneas. Ich denke, weildamals das schöne Geschlecht glciahsam vergöttertwar, und also sich mit Würde obrer ohne Gefahrherablassen konnte. Je menschliche^, das ist, jeschwächer es ist, desto sorgfältiger dcocht es sich hinterdem Schilde der Schamhaftigkcit.. Ohne diesenSchild glaubt es sich an Hymens Alltare nicht sicher.So wahr ists, daß jede Ungewißhciit, jede fremde,neue, unbekannte Lage an Unruhe unh Furcht gränzt!So bewundernswirdig ist die Weisheit der Natur,daß sie ihren Trieben dadurch der, größten Rci;giebt, indem sie dieselben durch Schamhaftigkcitheiligt'.

Wenn nun öffentlich und geradezu das Mädchennicht den ersten Angriff thun darf, so muß ihn derMann thun. In wiefern ihn dieser mit Anstandund gegen eine angemessene Person thut, thut erden Angriff ohne Entehrung. Hiebey erinnere ickmich folgender Bemerkungen des Phädrus in demplatonischen Gastmale: ,, Zur Eroberung einer