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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
98
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Feuer der Rose. Welche Mischung von Schönheitund Grösse, welche Mischung von grauenvollen undlachenden Scenen, welche Abstufung auf dem uner,meßnen Amphitheater! Unter dem feuchten Hauchedes Morgens erheben sich die Gebirge als Inseln;freundlich die einen, wie Amors und Cythärens Cvkla-den; trotzig die andern, wie Felsenburgen der Him-rnelstürmenden Giganten. Gleich Crystaüfluthen um«fließt sie der Nebel; gleich Wasserfallen stürzt er übe?die Felsen. Welche Verwandlung, welches Zauber,werk? Wer verpflanzt in den Schoost der Alpen dieVulkane von Sizilien und Island? Der Wider-schein der Sonne ist es, der die Morgendünste in Flam«menströhme auflöst; der Wiederschein der Sonne dermit brennendem Purpur das Schnecgebirg krönte ihrWiederschein, der zwischen ungeheuern Felsciimcurenden Blitz und r>as Gewölle des Kriegesgewitteis inriesenmäßigem Anblicke zur Schau stellt. Wer findsie, die dort sich mit Fcuerpfeilen und Flammn,schwerdtern bewaffnen ? Sind's Ossians Helden oderMiltons höhere Geister? Ich wende den Blick cd.

In eine ganz andre Schöpfung versetzt, erblis' ickzu meinen Füssen den Schauplatz des Grabes. Undwie denn? Unerfcbüttert trotzen dort der Harzenund Rigi jedem Wechsel der Zeiten, und hier virdder Mensch, der Herr und König der Erde, in nenigJahren und Tagen Raub der Verwesung? Unt wiedenn? Ununterbrochen erhebt sich von Iahrtauseid zuJahrtausend dieselbe Sonne über zahllose Machen-