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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
115
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Nach einer allgemeinen Anrede an Alle, wendete ersich gegen seine Gemahlin. Indem er sie innig um-armte , sank sie halb ohnmächtig hin. Er richtetesie auf, und beschwor sie, daß sie aus Liebe für ihnsich mit Standhaftigkeit stähle:D«e Stunde, sprach er, ist da, wo lch die Frücyie,«eines viel.,, jährigen Nachdenkens nicht länger bloß in Wor- tcn, sondern in der That zeigen soll. ^sticht nur,, ohne Schmerzen, sondern mit Freuden sterb' ich, wenn du, o Herzensgcliebte, meinen Tod nicht durch Thränen entehrst. Beruhige dich; beruhige dich mit der Erinnerung an mich und an meine,, Handlungen; beschäftige den Rest deines Lebens, wie bisher, mit Wohlthun.» Paulina rastesich auf, und gleichsam ganz von dem Hcldenmuthedes Gemahls begeistert, sprach sie:Nein, Seneka, bey deinen Umständen verlaß ich dich nicht; nein, glaub' ja nicht, daß dein Vorbild und dein Unter- richt an mir unwirksam bleiben, daß ich nicht von dir sterben gelernt habe. Besser, anständiger und ruhiger sterb' ich nicht, als mit dir. Mit dir geh' ich aus der Welt weg. Seneka sah sie enschlof-sen; er begriff, daß sie nach ftMem Hinschied unglück-lich seyn würde:Wohlan, sprach er, wenn du den Tod vorziehest, so hindere ich deinen edlen Enr- schluß nicht. Hand in Hand beweisen wir im ge- meinschaftlichen Tode gleiche Standhaftigkeit; du aber glänzest in höherm Lichte. Zu gleicher Zeit öffnete man beyden die Adern. Nach feuriger Um