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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
122
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Stadt einige Morgen Landes ein, die ivir unstr Pa,radics nennen. Es ist ein Gemisch von Küchen - undParterr - von Vaum - und Blumengarten. In demschwelgerischen Ucberflusse ist er für mich ein reizendererAnblik, als die schönste Orangerie, oder das künst-lichste Gewächshaus. Mehr Vergnügen machen mirdie langen Reihen der Kohl-und Krautköpfe, alS,die kraftlosen ausländischen Pflanzen, die nur durchkünstliche Hitze mühsam aus Leben kommen, und in»der fremden Luft so bald wieder an der Abzehrungsterben. Ungcmcin vermehrt ein Bach, der sich durchmeine Domainen schlangelt, so wol die Annehmlich-keit als die Fruchtbarkeit dieser Lustgegend. Indemich an dem blumigten Ufer hinaufsteige, gelange ichzu dem Schattcnhayn. Hier geniest ich in ihrer Voll-kommenheit die Musik der Jahreszeit. Ungescheutstreichen vor meinen Augen die Amsel und Drosselvorbey. Glauben Sie indeß ja nicht, daß wir indem Schoose der Landlust ganz unthätig hinschlum-mern. Q nein, der Arbeit giebt es genug; aber auchsie ist Segen, nicht Fluch ; auch sie giebt und würztdas Vergnügen. Wie mancher Güterbesitzer kenntsonst kein andres Geschäft auf dem Lande, als dieThierhatze? Einen angenehmern Zeitvertreib, der zu-gleich menschlich und wolthatig ist, gewahrt uns diePflanzung und Wartung der Fruchte; uns gewährtsie den gleichen Genuß, wieB. die Poesie demDichter, oder die Zeichnung dem Künstler. Wirklich,meine Freundin, hat diese Beschäftigung einen Reiz,