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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
170
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Däphsse. Immer zeichnen beyde Damen sich aus.

Ich. Und wodurch denn?

Daphne. Durch Schönheit und Liebreiz»

Ich. Und dabey, waren sie glüklich, ich meyne,dauerhaft glüklich?

Daphne. Wenigstens in jenem Augenblik nicht,da die eine ausrüste: Länger halt' ich es nichr aus.» Ich möchte todt seyn. Und da die andre schrieb: Wofern man mir zu einem solchen Leben den Vor- schlag gethan hätte, so hatt ich mich lieber gehängt.,»

Ich. Nicht nur Schönheit und Liebreiz besassendie Damen, sondern auch Geist und Kenntnisse.

Daphne. Da sehn Sie's, mein Herr; undauch dabey waren sie nicht glüklich, ich meyne, dauer-haft glüklich.

Ich. Fürtreffich, schon also ein paar Bemer-kungen, um derentwillen es sich der Mühe lohnt, dieDamen kennen zulernen. Fahren Sie fort! Wasbemerken Sie für Hauptzügc in dein Charakter derMaintcnon?

Daphne. Wenn ich nicht irre, Eitelkeit undHerrschsucht, verbunden mit Feigheit und Schwäche.

Ich. Und auch durch die Befriedigung dieserLeidenschaften machte sich die Dame nicht glüklich,wenigstens nicht dauerhaft glüklich.

Daphne. Ich verstehe Sie, mein Herr. Dauer-haft glüklich machen also weder Vorrang und Glüks-güler, noch Geist und Kenntnisse, oder Schönheitund Anmuth.