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Ich. Klüglich schlug Ninon einen andern Wegein, als Maintenon.
Daphne. Ohne Vorrang und Reichthum, suchtesie den Lebensgenuß theils in den Vergnügungen derSinnen , theils in geistreicher belebter Gesellschaft.
Ich. Und auch dabey fand sie die Glükseligkeit nicht,wenigstens nicht dauerhafte Glükseligkeit.
Daphne. Eine Bemerkung, mein Herr, dieschon lange der weise Salomon gemacht hat: Allesist eitele Eitelkeit und Abmühung des Geistes.
Ich. Anschaulicher aber wird die Bemerkung indem Beyspiele der Ninon.
Daphne. Und nun, was für eine erbaulicheAnwendung ziehn wir aus ihrem Beyspiele?
Ich. So wie Sie selbst die Beobachtungen mach,ten, so machen nun auch Sie die Anwendung.
Daphne. Daß kein dauerhaftes Glük in derWelt sey?
Ich. Oder baß man es nicht ausschliessend dasuchen dürft, wo es Ninon und Maintenon gesuchthaben.
Daphne. Und wo denn?
Ich. Vielleicht gerade da, wohin unfte Damenam wenigsten dachten.
Daphne. Und sie dachten — woran denn amwenigsten?
Ich. An sich, an ihr eigenes Herz.
Daphne. An Empfindsamkeit des Herzens schienes doch keiner zumangeln.