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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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173
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Gletscher.

Gletscher oder Firnen heißt man das aufgethürmteEis in den Bergthälern und an der Nftge der Alpen.Sie stellen sich dem Auge in mannigfachen Gestaltenvon Rotunden und Pyramiden, von versteinertenFluten und Meeren als ein gigantisches Zauberwerkdar. Aus der dünnen und kalten Luft ergießt sichüber ihren hohen Scheitel der Regen nie anders, alsgefroren. Von Jahrhundertzu Jahrhundert erhebtsich eine Schicht von Schnee über die andere. Wennauch in den schwülem Sommcrtagen davon etwashinschmelzt, so wird es in den kühlern Nachten sogleichwieder verhärtet. Durch seine eigne Last gedrillt lsenkt sich zuweilen der Schnee, und stürzt, wie Cry-stallfclscn, herab; durch innere Wärme in Bewegunggesczt, brüllt in seinem Eingeweide ein allerschütrcrndcrSturm, so fürchterlich, daß ihn der Thalbcwohneeden Gespenstern des Abgrundes zuschreibt. Indem derSchnee von den Gipfeln in wogenden Lauinen hcrab-ströhmt, schwellt er sich Unterwegs an den Trümmernder Felsen; indem während der Sommerhize ein Theildavon schmelzt, tränkt er den tiefer biegenden Schnee,und verwandelt ihn zum Eisfeldc. St uffcnweisc nimmtso wol die Festigkeit als die Gleichfö rmigkeit des Eis-feldes zu, je weiter es von der Höhe entfernt liegt,und je reichlicher es eben darum vvm aufgelöseten Eisegleichsam gedüngt wird. Je nach der verschiedene:»

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