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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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186
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rinnen. Vor dem Geschrey so wol der einen Partheyals der andern verstopft der staatskluge Weise wenig-stens dem Schein nach die Ohren. Je weniger erauf die Kontrovers achter, desto unschädlicher bleibtsie. Während daß er gelassen das Ende des Streiteserwartet, sucht er mittlerweile andere Ideen, undzwar solche, über die sich alle Partheyen vereinigen,in Umlauf zubringen vorncmmlich richtige Ideenüber die bürgerliche Gesellschaft. Zur Unterhaltungdes gegenseitigen Zutrauens tragen solche Ideen gewißviel bey. Wärs also so gar ausser dem Wege, wennman zu Stadt und Land neben dem religiösen Kate-chismus zugleich auch als Anhang dazu einenbürgerlichen, ich meyne, einen Katechismus über unserePflichten und Rechte einführen würde ? Wie? Daseinfältigste Landkind faßt in sein Gehirn die ziemlichweitläufige Dogmatik und Geschichte eines ganzen nichtleichten Lehrbuches: und es sollte nicht einen kleinenUnterricht über das häusliche und bürgerliche Lebenzufassen im Stande seyn ? Wie? Bis auf einen gewis-sen Punkt soll jeder Mensch über die Regierung desWcltbaucs, über Gott und seine Führungen, überdie Seelt und ihre unsterbliche Bestimmung, kurz,über die erhabensten und zum Theil ganz unsichtbarenGegenstände aufgeklart ftyn, und nicht jeder sollte-wenigstens bis zu einem gewissen Punkt über dieVerfassung seines Dorfes , seiner Stadt, über dirnächsten und wichtiiqsten Verhältnisse des Menschen unddes Bürgers aufgeklärt werden? Verstehen Sie mich