Band 
II. Tomus.
Seite
1590
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Des vollkomnesten Gebäts

Durchgehung derselben erhellen wird. Euer Lieb verleihe dazu eine an-dächtige stille Ausmcrcksamkeit.

Du aber / o Herr Zesu! deinen Heil-warthen Geist.Gieb mir insbesonver/ o mein Gott/auch weder Armuthnoch Reichthum / sonder verschaffe/daß ich Nahrung habe/lomel mir gebühret/ daß nicht auch ich entweder zusattwer-de/und dich vcrlaugne/ und spreche: Wer ist der Herr! Oderdaß ich aus Armuth stähle/ und mich an dem Namen mei-nes Gottes vergreiste. Amen.

Nachdem nemlich der Herr Jesus uns bisdahin geheißen bäten umsolche Sachen/ die unmittelbar betroffen seine Ehre/so lehret er uns nunfehrner anhalten um solche/ die/ wiederum unmittelbar/angehen unserHeil. Und zwahr heißt er uns Gott vortragen/ vorderst dw Nothdurfftunsers Leibs / dann aber ihm recommendiren das Heil unserer Seelen.Nicht/ als ob der Leib köstlicher seye/ als die Seele/ und an jenemunsmehr gelegen wäre/ als an diesem. Ach nein! Das Gegentheil hat derliebeste Heyland in eben diesem Gebät uns genugsam gelehret. FünfBitten hat er uns darum vorgeschrieben um geistliche / nur eine um leib-liche Gaaben. Jene hat er vor und nach/ und diese in die Mitten gesetzt/um uns zuüberzeugen / daß unsere Seele gleichsam fünfmahl an Werthund Kostbarkeit übertreffe den Leib / und daß wir darum auch fünfmahl soviel / und mit einem fünffaltigcn Eifer / bäten sollen für jene/ als wir es thunum diese; daß wir für unsere Seele baten sollen zuerst und zuletzt/ undfür den Leib nur als im Vorbeygang ; daß unsere Gebäter für jene dieGebätcr für diesen gäntzlich sollen verschlingen. Sonder die Ursach istdiese. Natürlicher Weise konte Gottes Name durch uns nichtgeheiliget/sein Reich nicht befördert/ sein Will nicht vollbracht werden/so unserLeib nicht hatte sein Brot. Unser Leib ist fehrner unser äußerliche undsichtbare Theil / der uns erstens und allein scheint in die Augen / und sohat der Herr Jesus zu Hilff kommen/und sich einiger Massen schicken wol-len in die Schwachheit auch manchmahl seiner lieben Kindern. Auchbey denen heißt es etwann zuerst: was werden wir essen? waswerden wir trincken? C>der womit werden wir uns bekleiden?Und daher will er diesen Stein zuerst weltzen ab ihren Hertzen / und sielehren bäten um das tägliche Brot / damit sie nach der Hand desto un-gehinderter / begieriger und freymüthiger/bäten können um die NothdurUihrer Seelen. So dienet diese Ordnung auch einiger massen/das Ver-trauen