4i8 Von der Versuchung zu Gotkslästerlichen
rung aus selbigen öffnet er ihnen Mund und Zungen zu seinem vielfältigenLob. So arbeitet er aber auch fehrner eben durch selbige an seiner liebenGläubigen Heil. Aus diesem Gisst der Gottslasterlichen Gedancken prce-parirt dieser himmlische Artzet eine heilsame Artzney für ihre kranckne See-len. Er liefet ihnen selber Feigen von diesen Dornen/ und läßt sie Trau-ben sammeln von diesen Distlen. Es müssen diese Versuchungen in An-sehung seiner versucheten Kindern haben die vortrefflichste Nutzbarkeiten.Wir wollen nur der einten und andern gedencken. (i.) Erstlich werden dieGläubige durch Zulassung solch Gottslästerlicher Gedancken recht hinein-geführet in die Erkantnus ihres Elends/ und ihrer sündlichen Verdorbenheit.Sie werden recht gebildet zur Demuth / und abgewöhnet von allen Gat-tungen des geistlichen Hochmuths. Keine demüthigere Christen sind alsdie/so in dem Feuer-Ofen dieses Elendsund dieser Versuchungen gesessen/oder noch sitzen. Da fühlen sie gleichsam mit Händen / was für heiligeLeuthe sie icii. seyen/wann sie kaum einmahl an Gott sinnen können/ohnedaß ihnen dabey die schrecklichste und Gottsläfterlichste Gedanckeu ein-fallen. Solche Leuthe lehrnen ja wahrlich recht mit Job sagen: Daß ichfromm ftye / daß weißt mein Gewissen nicht: und ich selber habe2sb. §: -i. einen Unlust ab meinem Leben. Da verliehren sich bey ihnen rechtalle geschwulstige Einbildungen von sich selber/ und lehrnen sie ja wahrlich/durch Demuth je einer den anderen höher und frömmer/ als sich sel-Phil. -:;. bcr/ zuachten. Das Phariseische: O Gott /ich dancke dir/ daß ichnicht bin wie die übrige Menschen/ Räuber/ Ungerechte/ Ehe-Luc.ir:il. brechen oder auch wie dieser und jener Zoller; Item: RuhremichIes.65 nicht an/ dann ich bin heiliger/als du/ stincket sie an/und thönet recht un-siäthig in ihren Ohren. Sie ruffen hingegen aus der Liesse ihres Hertzensruc. ir:,;. aus: O Gott/sey mir Sünder gnädig ! ^esu/du Sohn Davids/Ma'lth. erbarme dich meiner ! Da lehrnen sie erst recht und im Grunde verstehen/und glauben den herrlichen Articul von der gnädigen Gerechtsprechung desarmen Sünders vor Gott / durch den Glauben an Christum Jesum. Siesehen/wie daß ja wahrlich ihre Seligkeit nicht bestehe auf eigener From-keit/sonder in Gottes pur lautererGnade und Barmhertzigkeit. Stelehr-uen recht / ihre Zuflucht zu dem theuren Herren Jesu Christo nehmen / sichin die Ritzen seiner Wunden/ als gejagete Dauben / als verfolgete schüch-terne Missethäter/ verbergen / an seinem Verdienst / wie eine Lckctte aneinem Aleide/ kläben/nach seiner Gerechtigkeit hungern und dürsten/nach seinem Göttlichen Blut lächzen und schreyen / nicht anders als ein-Arsch nach frischem Wasser / und ein dürres aufgespaltenes Erbrichnach einem erquicklichen Regen schreyet/ und so alles/alles was ihnen