226 Geschichte der Staatsveränderungen
„deine Rache noch nicht geftillet haben? Hast„du das Herz gehabt, dasjenige Land aus-zuplündern, in welchem du das erste„Tages-Licht erbliket, und welches dich so„viele Jahre ernähret hat ? Ist dir denn nicht„(sobald du nur von ferne Rom erbliket hast)„sogleich der Gedanke eingefallen, daß jene„Mauern deine Götter, dein Haus, deine„Mutter, deine Gemahlin, deine Kinder be-herbergen? Glaubst du, ich werde mit der„Schande einer schimpflichen und abfchläg-„lichett Antwort bedeket, in Ruhe erwac-hn, bis deine Waffen den Ausspruch„von unserm Verhängniß werden gethan Hä-rchen? Nein! ein Römisches Weib kau stec-hen, so bald es nur die Noth erfodert; und„wenn ich dein Herz nicht beugen kan, so„wisse, daß ich den Schluß gefastet habe, mich„selbst in deiner Gegenwart zu töden. Du„wirst zuerst auf den Leib derjenigen tre-ten müssen, die dir das Leben gegeben hat,„bevor du in Rom einziehen kanst. Und„wenn ein so trauriger Anblik nicht vermö-gend ist, deine Wüth aufzuhalten, so ge-hende wenigstens, (indemdu dich bemühest,„Rom in Fessel zu legen) daß deine Gemahlin„und deine Kinder einem geschwinden Tode,„oder einer langwierigen Knechtschaft nicht„werden entgehen können.»
Coriolan, (dessen Gemüth von unterschie-denen Leidenschaften in Bewegung gefetzetward)' ganz zerrüttet zu seyn. Haßund Rache stritten in seinem Herzen wider
den