;?6 Von der Erfahrung.
tel führen auS. Alle Aerzte die jemals den Bey-fall des Pöbels gesucht, haben die Harngelehrr-hcit nach d m Maasse ihres Eigennuzcs , ihrerUnverschämtheit, und ihrer Dummheit begün-stigt In der Barbarey der mitlern Zeiten, dadie meisten Aerzte Geistliche waren, und unterdem Vorwand der Keuschheit die Kranken beyTage nicht besuchen durften, wurden sie in denKirchen von den Kranken besucht, oder wenig-stens begehrten sie von den Kranken ihren Harn.Eine dumme Uebung scheint dem Pöbel allemalheilig, wenn sie alt ist.
Dieser Aberglaube fiudt indeß in unsern Ta-gen fast nur bey den eingeschränktesten KöpfenBeyfall. Nur unter solchen Köpfen uimt diewenige Aufmerksamkeit auf den Harn, wenn eineKrankheit aus allen übrigen Zeichen schon bekamstist, einem Arzte urplözlich seine Reputation- Sehraufgeklärte Köpfe sind selten mit dem Harnglau-ben bcfleket; doch erinnere ich mich einer Dame,die man bey uns wegen ihrer ausnehmenden Fä-higkeit den Werth der Aerzte zu bestimmen über
die