zweytes Capitel. ;
niß einer Sache die aus dem öfter» Anschauen der-selben entsteht. Ein Mensch der viel zerrißt ist, hatnach diesen Grundsätzen die gröste Erfahrung vonder Welt, ein alter Officier hat die gröste Erfah-rung in dem Kriegswesen, eine alte Krankenwärte,rin in der Arzncykunst. Nichts scheint vollkomme-ner als ein Arzt vereine Menge Kranke gesehen hat;nichts ist dem Pöbel ehrwürdiger. Ohne nach denMerkmalen einer wahren Erfahrung sich zu erkun-digen , giebt man dem alten Weibe und dem altenArzte den Preis, den man einer allen Erfahrunggeben sollte. Man frägt nicht sind sie gelehrt, sindsie scharfsichtig, haben sie Genie; man frägt sindsie grau ?
Diese Urtheile fliesten aus dem Begriffe den sichder emsichtlose Theil der Menschen von dem Altermacht. Man vermuthet von einem alten Manneer habe mehr gesehen als ein Jüngling, und schließter habe mehr gedacht , weil er mehr gesehen hat.Man verehret darum unüberlegt das unwürdigsteAlter, darum verlieren die erhabensten Eigenschaf-ten und die schönsten Thaten ihren Werth , wennman von ihrem Urheber spricht, er ist jung. Daseinige Vorrecht welches der verdienstvolle Jünglingdem unwürdigen Greise nicht abläugncn kann, istdie Zahl der Jahre; die Erfahrung wird daruman dieses elende Vorrecht gebunden, damit demAlter wenigstens diese Zuflucht noch bleibe die Ju-gend zu unterdrücken, und den ausgedörrten Bäu-men gleich mit ihren fruchtlosen Aesten den Wachs-