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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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20
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zweytes Capitel.

Greis ist in meinen Augen mehr nichts als ein er-wachsenes Kind, seine ganze Starke ist Hartnäckig-keit , sein zahnloser Mund die Quelle seines Stol-zes. Alte Dummköpfe betrachten nicht das; stc schonim Mutterleibe grau gewesen.

Man sieht also daß die falsche Erfahrung nichtsanders ist als die regellose, alte oder blinde Uebung(Uoutine). Die regellose Uebung ist der oft wieder-hollte Umgang mit einer Wissenschaft oder Kunst,deren Grundsätze man nicht einsieht; der Pöbelglaubt diese Grundsätze seyen unnütz. Ich verstehein diesem ganzen Werke durch Pöbel (le vuIZaire)diejenigen Menschen die unbekümmert um das wasman in allen Zeilen grosses und wahres gesagt hat,und selbst unfähig das grosse lind das wahre einzu-sehen , alles was über den gemeinsten Gesichtskreisheraus ist falsch sehen , und doch darmit ein sehrgrosses Geräusche machen. Dieser Pöbel nun hältdie blinde Uebung für die Grundfeste der menschli-chen Erkenntniß; und folglich für Verstand.

Er baut die Auferziehnng der Kinder auf dieseGrundfeste. Der wohlhergcbrachten Uebung zufol-ge sott der Lehrer allein bemühet seyn anstat den Ver-stand seines Lehrlings zu öfnen sein Gedächtniß zufüllen , anstat ihm die Augen auf alles was ihnum-giebt zu richten, ihm abgezogene Begriffe von Din-gen beyzubringen, die beyde nicht begreifen. Roustseau sagt man fülle die Köpfe der Kinder mit demKenntniß das am meisten sichtbar ist und sich amleichtesten auskramen läßt; das Kind lege diese Waa-