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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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64
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zweytes'Capitel. ;r

Wien, bey alle» Gelegenheiten anfallen lassen, daer nach einer zwanzigjährigen Praxis aus dem Haagnach Wien kam. Die Oesterreichischen Practicipflegten so lange ihre Aderöfnungen zu wiederholen,als nach einem Seitenstich der geringste Schmer;jwischen den Rippen übrig blieb ; aber so oft derHerr von Haen in einer Consultation der ewigenNaturgesetze gedachte, die man wegen diesem Schmer;nicht brechen könne, gaben diese Practici zur Ant-wort : das Oesterrcichische Climat will es so ha-be». Eben diese Practici pflegten ihre Krankenin inflammatorischen Brustkrankheiten durch Brech-mittel auf die erbärmlichste Weise zu töden; aberso oft der Herr von Haen wider diese Brechmit-tel Einwürfe machte, gaben die Practici zur Ant-wort : das Oesterrcichische Climat will es so haben.

Sie glauben die in einem Lande gemachten Beo-bachtungen helfen nichts, die in einem Lande er-fundenen Methoden lind Mittel seyen in einem an-dern unnütz. Lentilius sagt, die Verfasser welchein Niedersachsen und besonders in Holland die Arz-neykunst ausüben, müssen von uns Schwaben mitKlugheit gelesen und nachgeahmet werden , damitwir nicht unsere Kranken zum Grabe schicken, in-dem wir diese Verfasser bewundern, und ihnen oh-ne Rücksicht auf die Verschiedenheit der Climatefolgen. Diese Meynung ist noch bey weitem nichtgetödet. Ich war einst mit einer Gattung Lenti-lius an einem auswärtigen Orte in Consultation;die Umstehenden zu überzeugen daß ich die Krank-