Zweytes Buch,
heit des vorher schon von mir besuchten Krankennach allen ihren Umständen einsehe, hatte ich daskurze und nervichtc Buch des Feldherrn van Swie-ten von den Feldkrankheitcn mitgebracht. Unter die-sen Umstehenden befand sich ein Mann von einemvorzüglich grossen Genie; er sah mitten in der Hi-tze der Cvnsultativn meinen van Swieten auf demTische liegen, drückte ihn dem alten LentilischenArzte in die Hand, und sprach : hier ist die Krank,heit nach allen ihren Zeichen und Umständen so be-schrieben , daß auch mir, der ich kein Arzt bin,nicht der geringste Zweifel über ihre Art und Gat-tung übrig bleibt. Der ehrwürdige Alte gab dasBuch uneröfnet zurück, und sagte mit Heftigkeit: ichhalte nichts auf den fremden Specificis, die so gutsie unter einem andern Climat seyn können , unterunserm nichts taugen.
Man will daß die in einem Lande gemachten Be-obachtungen in einem andern nichts helfen, weildie Krankheiten von einem Lande zum andern ab,ändern, und in zweyen Ländern, zween benach-barten Städten , und sogar zweyen benachbartenDörfern ungleich seyn sollen. Man will daß die ineinem Lande erfundenen Methoden und Mittel ineinem andern unnütz seyen , weil die Menschen ineinem Lande ganz was anders seyn sollen, als indem andern. Galenus verbot die Aderlässe in einemallzuheisscn Lande, und Messe rief von den Schul-tern des Galenus die Aderlässe nicht nur für allzu-hcisse sondern auch für allzukalte Länder gefährlich