drittes Capitel. 71
Grabe unter der dankbaren Nachkommenschaft le-ben, hätte man entweder niemals keine Arzneyknnstgehabt, oder jeder schlechter Kopf müßte ein Halb-gott , jeder Praeticus ein Erfinder gewesen seyn.Nun ist die Erfahrung des ältesten und beschäftig-testen Arztes nicht zulänglich, weil die menschlicheErkenntnis sehr langsam wächst, von »»merklichenAnfangen über Stufen an das Licht steigt die Jahr-hunderte find, und weil ganze Nationen und Welt-alter ihre Kräfte verbinden müssen, ehe eine Wissen-schaft in einigen Theilen vollkommen wird. Diegröstcn Geister öfncn die Wege zu neuen Unter-suchungen , andere gehen fie, andere kommen nachtausend überwundenen Hindernissen an das Ziel.Kein Bacon , kein Newton ist fähig gewesen dieArbeit von vielen Jahrhunderten allein zu überneh-men. Ein Praeticus, ein Barbier, eine Vettel über-nimmt sie.
Ein Arzt der durch seine Erfahrung lernen wol,te was man durch die Gelehrsamkeit in wenig Jah-ren lernt, nullte zu dieser Erfahrung vermittelst ei-ner eben so mühsamen Arbeit gelangen als alle Er-finder in allen Jahrhunderten angewendet haben;er müßte zudem ein Geist von der ersten Grösseseyn, und wenigstens einige tausend Jahre lebenund morden. Nun aber liegt es nicht in dem Ver-mögen eines einzelnen Menschen der Schöpfer dervorlrcflichsten aller Künste zu seyn , die mehr eineGeburt der Zeit als des Geistes, in so vielen tau-send Jahren durch eine fleißige, gednltige und rich-