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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
118
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erstes Capitel.

ein sehr feines Gefühl. Sie sank bey dem erstenAnblick meines Stücke- ein; ich frug nicht mehr.Mit diesem angebornen Gefühle, durch welches mandie Werke der Maler wie die Werke der Dichter ammeisten, und insofern nicht so wohl um die Artund Weife wie sie wirken als um ihre Wirkungallein zu thun ist , am besten beurtheilt; und mitder oft wiederholten Aufmerksamkeit, wird derGeist so scharf als die Augen , mit welchen Lieber-kühn Jupiters Trabanten ohne Fernglas sehenkönnen.

Wenige Menschen sehen. Die Augen des gcmei.neu Mannes sind offen, aber sein Geist ist blind.Er hat die Kenntnisse nicht, die seinen Geist auf ei,nen Gegenstand heften könnten, der ausser dem en-gen Kreise seiner nächsten Bedürfnisse liegt. Er hatnur über das wenigste von dem denken gelernt waser sieht, und darum sieht er in den meisten Sachennichts. Jede moralische oder physische Erscheinungglitscht überfeinen Kopf weg, wie eine Kugel überMarmor wcgglitscht. Andere sehen und unterschei-den nicht was sie sehen, weil sie unfähig sind aufeinen Vorwurf insbesondere acht zu haben, und ihnin seiner Ordnung und Verknüpfung zu betrachten,oder weil in demselben gar zu viele Dinge vorkom-men die von einander unterschieden sind, nnd vonihnen nicht können unterschieden werden. Odersie entdecken die Oberfläche der Dinge und haltendie Oberfläche für das ganze, das Kleid für denMann, einen hübschen Bnsen für Verstand. In