io6 Drittes Buch,
moralischen Dingen sieht der Dummkopf nichts,der Narr verkehrt, der Witzling die Oberfläche, einaufgeklärter Kopf alles.
Man macht sich einen deutlichen Begrif von denGraden in dem Mangel des Beobachtungsgeistcsund von den Graden des Beobachtungsgeistes,wenn man nur acht hat, wie verschiedene Menscheneinen Kupferstich, ein Gemälde, oder die Menschenbetrachten.
Der eine sieht in einem Stücke gar nichts , weiler weder für das poetisch noch für das malerischSchöne das geringste Gefühl hat. Ein anderersieht alles falsch, und noch ein anderer hält sich anNebenum stände die zu dem ganzen nicht dienen.Kein S-crblicher ist fähig diese Leute zu belehren,wenn sic die Natur nicht belehrt hat. Auch sagteNicomachus zu demjenigen der in einem Gemäldedes Apcllcs nichts bewunderungswürdiges fand rnimm weine Augen, und sieh.
Es ist etwas vor den Zügen des Pinfels, vor denVerhältnissen der Theile, vor der Werfung vonSchatten und Licht und der Harmonie des Cols-rits, etwas überhaupt vor der mechanischen Ge-rchicklichkeit hergehendes, etwas die moralische undpoetische Wahrheit betreffendes in jedem Handlun-gen der Menschen vorstellenden Stücke, welchesman ohne das gefühlvolle.Auge der Seele nichtsieht. Wer die Betrachtungen des unsterblichenGrafen von ShafteSbury über ein historisches Ge-mälde von dem Urtheil des Herkules gelesen hat, wird