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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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120
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erstes Capitel. 107

mit zwingender Stärke empfinden , daß ein wahrerHistorienmaler in dieser innerlichen Bildung unend-lich groß seyn, und eben die Wissenschaft, eben dassselbe Nachdenken, eben denselben Zweck haben muß,als ein wahrer Dichter.

Geistlose Köpfe sehen diese innerliche Bildung nie,darum kleben sie an der Mechanick der Gemälde.Darum flattern sie so nüchter über die Meisterstückeder Kunst hin, und sehen in den Werken eines dich,tenden Künstlers mehr auf den Mangel der sorgfäl-tigen Ausführung, und des scheinbaren Fleisses,als auf ihre Wirkung. Darum gaffen sie, für daswahrhaftig grosse der Ideen blind, in die erhaben-sten Vorstellungen des sichtbaren Schönen unbe,wegt, ungerührt, unerschüttert. Darum sagte Ho»garth, der sehr wohl weis wie oft sich die sogenann-ten Liebhaber au kindischen Kleinigkeiten bey der Be-trachtung eines guten Stückes halten, von Gemäl-den seyen alle Menschen gehörige Richter, ausge-nommen die Kenner.

Vielleicht ist es so schwer ein Gemälde oder eineBildsaüle in allen Theilen wohl zu beurtheilen , alses dem Griechen und dem Römer schwer war sie zumachen. Winkelmann sagt, der Verstand der Al-ten liegt tief in ihren Werken, da man hingegen inunsern Zeiten wie bey verarmten Krämern alle sei-ne Waare ausstellt. Darum sind nur Genies wieMoses, wie Winkelmann und wie Sulzer fähig ,alle Merkmale des Schönen überhaupt von ftinen