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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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122
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erstes Capitel. 109

sie selbst haben muß wenn man sie sehen soll. DuBos sagt, es sey eine Anzeige daß junge Leute Ge-nie besitzen/ wenn sie in den üblichen Geschäften derIünglingsjahre sehr zurückbleiben/ da sie mit gros-sen Schritten in der Kunst forteilen/ zu welcher siegeboren sind. Mancher schöne Geist wird darum vondummen Lehrern verabsäumt/ weil sie die Wege sei-nes Geistes nicht kennen ; so mancher aufgeklärteKopf lebt im Staube / weil niemand begreift daßer nicht gemacht ist im Staube zu leben. Ohne denBeobachtungsgeist und selbst ohne Genie kennt nie-mand die Merkmale des Genie. Ein Eugen ist anLudewigs Hofe ein verachteter Knabe; ein Kleinjoggziert unbemerkt die Menschheit / bis ihn ein Hirzelsieht / kennt und verewigt.

Andere sehen alles falsch. Man nimmt oft inKindern alle Brandmale der Dummheit für untrüg-liche Zeichen der künftigen Grösse ihres Geistes; oftdie Fertigkeit im Verläumdenfür Genie/ Gernwitz-linge für schöne Geister / Tartüffen für Muster derGottseligkeit/ einen Rohrdommel fürein liebenswür,diges Weib. Aufgeklärte aber kaltblütige und ineiner Art von Dienstbarkcit auferzogene Köpfe hal-ten die Merkmale des feurigen Triebes zum Edeln,znm Schönen/ zum Grossen und Wahre»/ und desmit diesem Triebe verbundenen Geistes der Unab-hängigkeit und der Verachtung niederträchtiger Con-sidcrationen / für Merkmale der Unbesonnenheit;Dummköpfe nehmen sie für Beweise der Narrheit.Jeder urtheilt anders als der andre / weil jeder an-