n8 Drittes Buch,
feine Cmpsindungskrast und eine grosse Aufmerksam-keit sind auch hier die Grundlage dieser bewunde-rungswürdigen Fähigkeit, die vermittelst gemeinerund einfacher Merkmale durch eine schnelle Verbin-dung der Ideen das unsichtbare sieht. Diese feineEmpfindungskraft holt man nicht auf Universitäten,und auch nicht bey dem Bette der Kranken; sie hängtvon der ursprünglichen Beschaffenheit des Hirns undder Nerve» ab. Aber sie gewinnt unendlich durchdie Aufmerksamkeit, die den kleinsten Umstand nichtübergeht, sobald er zum ganzen dient. Die Auf-merksamkeit ist freylich sehr beschwerlich, wenn mandas feine Gefühl nicht hat, durch das allein sie nütz-lich wird; die Beobachtung ist darum so vielen Aerz-ten beschwerlich, und sie wird um so mehr von ih-nen verabsäumt, weil der Pöbel zufrieden ist, wennman nur durch seine Augen sieht ; auch sehen diePractici nur durch die Augen des Pöbels. EinArzt heißt bey uns aufmerksam , wenn er niemalsden Kranken verläßt, ohne seinen Harn geködert, be-trachtet, geschüttelt, gerochen, gekostet und der gan-zen Anverwandschaft erklärt zu haben wenn er beyder Verordnung der Arzneyen niemals unterläßt denCalender zu berathen; und hauptsächlich wenn erdem schandbarsten Müßiggang ergeben, Tagelangjedes hirnlose Geschwätz mit Entzückung anhört.Bey den Alten war die Schlange des Escnlaps dasSinnbild einer scharfen Aufmerksamkeit; bey uns ei»Harnglas.
Die moralischen mnd die medicinischen Beobacht