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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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132
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erstes Capitel. Ir-rungen fodern den gleichen Veobachtungsgeist. Werfähig ist den sittlichen Menschen wohl zu beobachten,ist fähig feine Krankheiten wohl zu beobachten. Diegleiche Fähigkeit zeigt uns den Geist, das Herz, unddie Krankheit, die gleiche Scharfsicht entdeckt ihrePhysionomie. Ein wahrer Arzt bestimmt die Krank-heiten des Körpers durch geschwind und richtig be-merkte Zeichen, so wie ein wahrer Moralist die Be-schaffenheit der Gemüther. Also ist es der Naturund der Vernunft gemäß, daß ein Arzt gerade des-wegen ein besserer Arzt ist, wenn er ein guter Mo-ralist ist; da hingegen ein Arzt, der für moralische Be-obachtungen zu dumm ist, es ganz gewiß auch fürmedicrnische ist.

Ein wahrer Arzt muß beobachten was Practicinur schauen. Denn er muß alle Umstände einerKrankheit untrer ihrem Schleyer entfalten, die Ein-falt in der Verwicklung finden, das beständige vondein veränderlichen, das wesentliche von dem äusser-wesentlichen unterscheiden. Er muß immer auf denGrund der Sache gehen, alles anschüren wodurchsich begreifen läßt, wie eine Krankheit dasjenigeworden ist was sie ist, oder auf was für Art und Wei-ft sie möglich ist. Er muß die Wirkungen der Krank-heit von den Wirkungen der Arzneyen unterscheiden,und vorzüglich wissen, ob die Natur oder die Mit-tel gchkllct, ob die Natur oder die Mittel getödethaben. Aus der Scharfsicht des Arztes fließt die Grös-se des Arztes, er sey glücklich oder unglücklich.

Sehr viele Aerzte haben den Bcobachtungsgeist