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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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133
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i--> Drittes Buch,

nicht. Sie gaffen die Natur an , ohne sie zu be-trachten ; die Angaffung ist das Geschäft lebloserAugen, die Betrachtung das Werk des sehendenGeistes. Ein Arzt der den Beobachtungsgeist nichthat, wirft immer seine Augen hin wo er nicht soll,und niemals wo er soll; ist das Uebel auf der Brustso laurt er auf den Kopf, ist es in dem Kopf sohüpft er auf den Bauch, liegt es in dem Magen sogast er in den Mond. Sein ganzer Geist ist mitNebenumständeu beschäftigt, deren Wegnehmungdas Uebel nicht wegnimmt, dem Geist der Damegleich deren gröste Furcht bey einem Schiffbruch ge-wesen, sie werde naß.

Man kann immer Kranke besuchen und immernichts sehen. Die Kenntnis der Krankheiten ist da-rum so selten weil der Beobachtungsgeist ss seltenist, die wahren Aerzte sind darum so selten weil die-se Kenntnis so selten ist. Wer die Krankheit von denZufällen und diese unter sich nicht unterscheidet,nimmt die Anzeigen zur Heilung von einem einze-len Zufall, wer diesen Zufall heilen will heilt dieKrankheit nicht. Wer die Naturgeschichte einer Krank-heit nicht im Kopfe hat, leitet die natürlichen Fol-gen der Krankheit aus den Arzneyen, und die na-türlichen Folgen der Arzneyen aus der Krankheit.Ohne den Beobachtungsgcist sieht man nichts, ohneeine nicht ganz gemeine Krankheit wohl zu scheuheilt man nicht.

Andere haben den Bcobachtungsgeist nur halb.Sie sehen etwas und sehen nicht genug, sie wnr-