zweytes Capitel. i;r
Der Beobachtungsgeist wird auf eine »«gemeineWeise durch den Aberglauben unterdrücket, weil dieVorurtheile des Aberglaubens stärker sind als alleandere Vorurtheile. Ich rede hier nicht von demAberglauben i» Rcligionsfachen den ich den Theo»logen überlasse, sonder» bloß von dem Aberglaubenin der Naturlehre und in der Arzneykunst. DieserAberglaube ist der Wahn natürliche Wirkungen kön-nen aus übernatürlichen und wunderbarlichcn Ursa-chen , und ganz unmögliche Wirkungen aus närri,schon Ursachen fliesten. Wenn ein Saz durch glaub,würdige Zeugnisse unterstützt ist, so wird der Bey-fall den wir demselben geben Glaube genennt, wenner durch närrische Zeugnisse unterstützt ist, Aber,glaube.
Unter der Herrschaft des Aberglaubens dürfen dieVerfechter von allem was der Vernunft zuwider,abgeschmackt und thöricht ist, der Wahrheit zumTroze ihr dummes Haupt erheben. Die Porten al-ler Herzen sind allem was der Vernunft zuwider,was abgeschmackt lind thöricht ist offen, sobald maudas übernatürliche und wunderbarliche möglichglaubt. Ich nenne übernatürlich alles dasjenigewas weder als eine Wahrscheinlichkeit noch als ei-ne Möglichkeit aus der Erfahrung und der Vernunftkann erwiesen werden. Ich nenne wunderbarlichalles was »»erwiesen, abgeschmackt, falsch , allenGesetzen durch welche die physische und moralischeWelt regiert wird widersprechend genug ist, daß esder Pöbel glaubt. Ein erlauchter Gottesqelehrtee