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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
148
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zweytes Capitel. i;;

gelehrten stießt, daß der Geschmack für das falscheden Geschmack für das wahre verbringet, und daßdarum kein abergläubischer Mensch die Natur beo-bachten , noch in irgend einer Sache das wahre se.hcn könne, wenn er dabey den geringsten AnlaShat, seinem Aberglauben den Zügel schiessen zu lassen.

Der Aberglaube tödet mit dem Vermögen auchden Willen das wahre zu sehen. AbergläubischeMenschen nehmen von keinem vernünftigen Men,schen den geringsten Unterricht an, weil an einemdurch den Aberglauben verfinsterten Orte jeder ver-nünftige und dem grossen Haufen nicht nachhculen-de Mensch für einen Dummkopf gehalten wird, wenner keine Hexen glaubt. Sie opfern die Wahrheiteiner bequ einen Leichtgläubigkeit auf, die sie allerUntersuchumg enthebet weil alles was man durch dieVernunft micht begreifen kann , durch den Aberglau,bcn fich begreifen läßt. Diese leidige Leidenschaftbemustert sich ihrer Gemüther mit einer solchenGewalt, daß weder Vernunft noch Religion fähigsind diesen einmal mit denselben verwachsenen Un-rath auszukehren. Von ihrem allgegenwärtigenWahnsinn immer gespottet, immer geplagt, immerverfolget, ergreifen diese bedaurenswcrthen Crcatu-rcn alles was auch im geringsten ihren Meynungenschmeichelt, und treten mit Füssen was ihnen wi-verspricht. Ganz unfähig die Stärke und Schwä-che der Zeugnisse, die Wahrscheinlichkeit und Un-wahrscheinlichkeit der Dinge zu prüfen, oft erschra-ken und immer betrogen, sehen sie nichts ausser sich