drittes Capitel. i;?
chen. Man hat gesagt ein Arzt der Tag und Nachtzu Kranken läuft, sey dem Priester ähnlich der Tagund Nacht mit den Sacramenten herumläuft, fiesehen beyde gleich viel Kranke und haben beydevon der Arzneykunst gleichviel Erfahrung. UnterAerzten die gleich verständig oder dumm sind, müs-sen darum unstreitig diejenigen die unsichersten seyn,die auf einmal die meisten Kranken sehen. Der Geistläuft nicht so geschwind als diese Aerzre.
Ein sehr beschäftigter Arzt sieht zu viel und denktzu wenig. Die Beweglichkeit der Gegenstände er-laubt ihm nicht sie zu beobachten, sie wischen sichunter einander mit der gleichen Behändigkeit aus ,und alles was davon zurückbleibt ist ein verwirrterEindruck, ein leeres Angedenken. Er kann darumin die genauere Umstände eines Kranken und einerKrankheit nicht treten, noch ihren Verschiedenhei-ten zufolge seine Methoden und seine Mittel verän-dern ; er nimmt alles überhaupt. Ich kenne in einemansehnlichen Lande eine ansehnliche Stadt, die un-ter einer Menge Aerzte, der wohlhergebrachten Ge-wohnheit zufolge, den dümmsten für den besten hält;Dieser Esculap hat alle Morgen fünfzig bis sechzigKranke in seinem Vorzimmer, er hört die Klagenvon jedem, stellt sie gemeiniglich in vier Reihen, undverordnet der ersten Reihe eine Aderlässe, der zwey-ten eilte Plirgatz , der drillen ein Clistier, und dervierten eine Luftändcrung.
Man hat nach dem iicmlichcn Vonirtheil einengrossen Begrif von der Praris der Hospitäler. Ich