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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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195
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Drittes Buch,

verstunden das Aehnliche in den Umständen verschie-dener Kranken durch eine allgemeine Benennung undBeschreibung zu vereinigen. Hippocrates sagr zwardiese Beobachter haben sehr wohl alles aufgezeichnetwas ein Kranker in jeder Krankheit leidet, und aufwas Art ihnen dieses zum Theil wiederfährt, undmit einem Worte, was eine Person die von derArzneykunst nichts wüßte, aufzeichnen könnte, nach,dem sie sich bey den Kranken um alle Umstände ih,rer Krankheit erkundigt hätte; aber sie haben dasmeiste vergessen, was ein Arzt wissen soll, ohne da,rüber den Kranken zu fragen. Der eigentliche Feh,ler der Cnidier bestund also darin«, daß sie die we,sentlichen Zufälle bestimmter Krankheiten von denausserwesentlichen, oder denjenigen die vielen Krank-heiten gemein sind, nicht unterschieden. Man hatdaher mit Recht vermuthet, diese Aerzte werden,nachdem sie viele Jahre hinter einander alles auf-gezeichnet was einem einzigen Kranken wiederfuhr,alle diese Zufälle aus einer einzigen Krankheit her-geleitet haben, da doch bey diesem Kranken einigeKrankheiten hinter einander könnten gefolget seyn,die ganz verschieden waren ; so wie man alle TageLeute mit verwickelten Krankheiten sieht, das ist ,Leute die auf einmal drey oder vier Krankheitenhaben. Also hat Boerhaave sehr wohl geschlos-sen , die Arzncywisscnschaft der Cnidier sey allein da-rum bestanden, daß sie alles was vor der Krankheitwiederfahren, ihren Fortgang und Ausgang, ffeii-sig beobachtet, ohne etwas weilerö hieraus zu fol-