Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
335
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Drittes Buch,

Gerechtigkeit vor Gott, aber bey aufgeklärten Men-sche» ist sie doch mehrentheilS die Wirkung des schonin gesunden Tagen besiegten Todes. Wie wenigerüberhaupt ein Mensch in gesunden Tagen den Todgefürchtet hat, desto leichter wird er sterben. Jemehr er ihn fürchtet, desto geschwinder wird er kom-men. Wie mehr er ihn fliehen will, destomehrwird er ihn fühlen.

Aber ein heiterer Gemüthszustand ist doch auch zu.weilen ein sehr böses Zeichen, weil grosse Aerzte ge-sehen daß bey Kindern die Kräfte der Seele zuneh.men, wie die Kräfte des Leids abnehmen, und daßsie nie liebenswerther sind als in ihren letzten Krank-heiten. Diese und andere hiehcr gehörende Wahr.nehmungen sind mir nicht unbekannt. Man bemerktzuweilen daß bey Annäherung der Todesstunde dieEinbildungskraft auf eine ganz besondere Art sich er.höhet, und daß eben diese Erhöhung ein Zeichen desTodes ist. Ja es geschieht oft daß die Kranken selbst,wider die Hofnung ihrer Aerzte aus dieser innernEmpfindung die Zeit des Todes zu bestimmen wis.scn. Man beobachtet in kranken Kindern eine wi.dernatürliche Gefälligkeit in allen Dingen, einenVerstand der sonst nur die Frucht des Studierensund der Erfahrung ist, einen Witz und eine Bered-samkeit die weit über ihr Alter sich erheben , unddas ist ein Vorbote des Todes. Bey Leuten von ei-nem mitlern Alter ist diese Erhöhung der Seelen,kräfte grösser als bey mchrern Jahren. Sie änssertsich oft unter der schweren Last der Krankheit durch