696 Viertes Such,
sagt Boerhaave; und darum ist sie elend , sezt derHerr von Haller hinzu, weil man den Knaben ei-nen zusammengesetzten Begriff nicht in seine einfa.che Begriffe auflöst, sondern ihnen nur blos Buch-staben und Töne beybringt, deren seichte Eindrückeein neuer Strom von Ideen sofort auslöscht. Nachdieser vergötterten und vcrnnnftlosen Methode liegtalle Wissenschaft der Kinder in dem Gedächtnisse,da ste hingegen von den verachteten Räthen des Welt-weisen, des wahren Bürgers, des patriotischen Hel-den, des für alle Nationen von Eurova verehrungü-werthcn Ludewig Rene de la Chalotatis, in demVerstände läge; aber zum Unglück lassen steh dieSchätze des Gedächtnisses den allen Menschen aus,kramen , die Schätze des Verstandes nur bey denwenigsten. So viele Männer die man in ihrer Kind-heit für Wunderwerke hielt, machen eine so sehrschlechte Figur in der Welt, weil ste nach der belieb-ten Schulmethode das Gedächtnis allein zu pflegen,zum beobachten, zum urtheilen , zum erfinden , undüberall zum denken ganz unfähig sind. Der in un-sern Tagen der Arzncykunst in dem weiten Reicheseiner grossen Kayscrin den alten Adel und ein neuesLeben wiedergebende Freyherr van Swieten sah oftund bedaurte oft, daß Knaben von der besten Hof-nung nicht nur für ihr ganzes Leben albern undtölpisch, sondern mit einer unheilbaren fallendenSucht behaftet wurden , weil ihre mürrische undvernunftlose Lehrmeister sie ohne Aufhören, zumkernen anstrengten, indeß da sie die Gemüther