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Zwölftes Capitel.
das Studircn ohne Affect währe kaum eine Stun-de , mit dem gleichen Affect vier Stunden, miteinem abwechselnden Affect so wie das Spiel,bey welchem man sich bald wegen dem Grwinnstefreut , und bald seinen Verlust beklagt, Tage undNächte.
Die allzustarke Anstrengung der Einbildungskraftführt nach ihrer verschiedenen Richtung auf verschie-dene Abwege. Die Musickverstandigen und dieMahler waren in allen Zeilen bis an ihr Ende Be-weise der Ausschweifungen, zu welchen eine allzu,sehr erhitzte Einbildungsüast die Menschen neiget.Nenoncini wolle in Dresden fliegen, er verreiste voneinem Fenster des dritten Stockwerks, fiel wie essich gebührte auf die Strasse, und brach beyde Bei-ne; der göttliche Ravhacl starb von einem übermäs-sigcn Beyschlaf; Corregio wegen einem Gewinst vonzwcylnindert Franken, mit denen er in der Füllefeiner Freude bey einer sehr grossen Hitze nach Hau,fc zu seiner Frau geeilt. Die Dichter bezalennicht selten ihren Enthusiasmus mit der Vernunft.Tasso sagte einst der Elconvra Schwester des Her-zogen von Ferrara einige Verse her, die sie lobte;dieser glänzende Dichter gerietst durch dieses Lob ineil e so selige Entzückung , daß er der Prinzeßin ei-nen Kuß gab, für welche» man ihn in das Gefäng-nis warf, wo er mitten unter seine» schönsten poe-tischen Arbeiten ein Narr ward. Swift der an Ein-bildungskrast und an Geiste alles in allem war, unddessen Feder die reineste und beste seiner Zeiten ge-