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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
772
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vierzehntes Capitel.

Allmählig verschlimmert sich dieser Zustand, undendlich wenn er aufs höchste gekommen ist versinkendiese elenden Menschen in die schwärzesten Abgründeder Hypochondrie und der Multerbeschwerungcn, inwelchen sie zu allem Guten unfähig andern oft undimmer sich selbst zur Last werden. Man hat nichtmit Unrecht, sagt Herr Thierry, der Urheber die-ser Betrachtungen und Leibarzt des Prätendenten inRom, diese Krankheiten die Geisel der Arzneykunstgenannt. Aber zum Glücke wechseln diese Krankenihre Aerzte sehr oft um.

In gleichem Grade durch die allzuhestige Begier,de seinen Geist aufzuklären abgenutzet wird der Kör-per ein Erdreich, in welchem der Same von jedrrKrankheit hervorkeimt. Diese bedaurenswerthcnSclaven ihres Geistes sind, wie die vorerwähntenSclaven ihres Körpers, besonders bey epidemischenSeuchen in der grösten Gefahr.

Aber ich käme nicht zum Ende wenn ich nun auchdie Verderbnisse der flüßigcn Theile erzählen wollte,die mit jeder von den gelegentlichen Ursachen derKrankheiten verbunden den Menschen auf das Siech,bett legen. Man weis wie gefährlich alle bösartigeKrankheiten für Leute werden, deren Säfte schonverdorben sind, denn diese Verdorbenheit selbst istoft die Ursach ihrer tödendcn Unart. Jeden hoch-ansehnlichen Bauch füllt ein höchst gefährlicher, unddie meisten hitzigen Krankheiten tödlich machenderStof. Boerhaave sagt, von allen Menschen sterbendie fetten am ersten, und keinen seyen hitzige Fieber