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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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773
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?6» viertes Buch,

so gefährlich als diesen, weil durch die Hitze desFiebers das Fett schmilzt, scharf wird, die festenTheile reitzt, die stutzigen stocken macht, alles ent-zündet, und alles zu Grunde richtet.

Ich zähle unter die offenbaren Mängel, auf wel-che die gelegentlichen Ursachen wirken, zuletzt dieVeränderungen welche Folgen von gehabten Krank-heiten sind, lind die Neigungen welche sie in demKörper und zuweilen in der Seele zurücklassen.

Die Krankheiten ändern zuweilen das Tempera-ment. Die Möglichkeit dieser Veränderung nachden verschiedenen Stufen des menschlichen Alters,der Lebensart, der Erziehung, und Gewohnheit,hat schon Aristoteles in dem zweyten Buche seinerRhetorick gezeigct, sie ist aber auch wirklich. Eineadeliche Dame vom ersten Range in der Schweitzsagte mir in ihrem neun und siebenzigstcn Jahre, siesey bis in ihr fünf und zwanzigstes Jahr unendlichzärtlich und gefühlvoll gewesen. Von dem fünf undzwanzigsten bis in das sechs und zwanzigste Jahr seysie in eine entsetzliche Melancolie versunken, davonsie durch viele dasselbe Jahr hindurch gebrauchteArzneyen gchcilct worden. Aber von dieser Zeit ansey ihr Gemüth nicht nur bey den gröstcn Unglücks-fällen gelassen geblieben, sondern sie habe auch zu.gleich die körperliche Fähigkeit verloren eine Zährezu vcrgicsscn. Diese Dame, die ich einige Moimtenacheinander sehr oft und sehr genau gesehen, warübrigens noch so munter und freudig als eine Jung-fer von zwanzig Jahren.