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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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774
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vierzehntes Capitel. 761

So wie es nun Fälle giebt in welchen Krankhei-ten die Empfindlichkeit des Temperamentes vermin,dern, so giebt es auch Fälle in welchen Krankheitendiese Empfindlichkeit vermehren. Bald wirken sieauf den Verstand, bald auf die Leidenschaften, je-desmal auf ein Vermögen das in der Organisationliegt, das Sinne, Gefühl, Affrcten, und Leiden-schaften bestimmet. Man sieht allerhalben wie sehrdie sogenannte Englische Krankheit den Verstand derKinder entwickelt, ich habe diese Wahrnehmung selbstbey vielen Kindern von dieser Art gemacht, aber dochnicht bey allen Ich habe die sanftesten und licbcns-wcrlhestcn Kinder durch Würmer, oder Verstopfun-gen in den Gekrösdrüsen, den heftigsten und hassens-würdigsten Characktcr annehmen, und ordentlichkleine Teufel werden gesehen. Ich habe sehr gelasseneJungfern gesehen, die durch die blosse Vorhaltung ih-rer Zeiten etwas mehr als Teufel,die Furien geworden.

Vorhergegangene Krankheiten lassen immer einegewisse Neigung zu der gleichen Krankheit zurück.Ich habe nnzählichcmal gesehen, daß ein Mensch dereinmal eine Bruflentzündung gehabt, alle Jahre inder Gefahr ist sie wieder zu haben. Ich kenne ei,ncn Wundarzt der iv. sechs Jahren alljährlich zweybis dreymal eine Entzündung in dem Halse gehabt,die fast jedesmal in eine Eiterung übergegangen.Leute die einmal hypochondrisch oder hysterisch ge-wesen, sehe ich aus sehr geringen und unbeträchtli,chen Anlässen in die gleichen Krankheiten verfallen.Ich übergehe eine Menge anderer Beyspiele.