Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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787
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Viertes Buch,

Männern und Männer die des Beyschlafs mit aus-sätzigen Weibern ungeachtet, in diese heßliche Krank-heit nicht verfallen; man sieht auch ganze Familiendie niit Aussätzigen in einem beständigen Umgangleben, ohne darum aussätzig zu werden. Der Doc-tor Pcyssonel, der von dieser in America so fürch-terlichen Krankheit in den philosophischen Transac-*tionen eine schone Nachricht gegeben , schließt hier,aus nach dem allgemeinen Grundsätze, man müs-se auf eine besondere Art zu dieser Krankheit geneigtseyn, wenn man in dieselbe verfallen solle; vielleichtkann man sich an eine milde Conragion gewöhnenwie man sich an die Gifte gewöhnt. Sehr unge-sunde Länder hindern das lange Leben ihrer Ein-wohner nicht; Herr Wargentin hat in den Stock-holmischcn Abhandlungen gezeiget, daß die Men,sehen nicht nur in Schweden sondern auch in Hol-land am längsten leben, und länger als in Frank,reich und England.

Es hat seine Richtigkeit daß man sich überhauptan das Kränkeln gewöhnen kann. Die Weiber le-ben durchgehends länger als das männliche Ge-schlecht , wovon der Grund nach dem Boerhaavein ihrem zarten Baue liegt. Es giebt Leute die sowohl gewohnt sind krank zu seyn, daß sie es immersind, und auch unter solchen Zufällen denen dieStärksten unterliegen würden, zu einem hohen Al-ter gelangen. Man hat sehr wohl gesagt, diese Leu-te streben nach der Gesundheit allein um wohl zuseyn, wie die Geitzigen nach dem Gelde streben al-