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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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8
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Vorbevicht. 7

nichts auszusetzen ist, macht dieses meinen Wunschunbillig, daß man Gesellschaften ausrotte und zer-nichte , von welchen, nach dem einhelligen Erzeug-nisse einsichtiger Leuthe, immer die meisten Mitglie-der nichtswürdig und faul sind? Gesellschaften, woFaullenzerey getrieben und empfohlen wird, wo mannur einnehmen und nichts ausgeben, nur Reichthü-mer sammeln, und keine Bürden der Gemeinheittragen will; kurz, wo man von der bürgerlichenGesellschaft alle mögliche Vortheile ziehen, und da-bey aller ihrer Verbindlichkeiten enthoben seyn möch-te; wo es sich freylich ruhig und guter Dingen le-ben läßt, ohne das Ungemach und die Beschwerdenzu fühlen, welche andre Stände der Menschen drü-ken; wo dem Staat seine beßten Köpfe und hand-veste Vertheidiger auf immer entzogen werden; woLeibesstärke zum Plerren in der Kirche, und einlebhaftes Ingenium zum Ränkeschmieden gebrauchtwird; wo hochverräterische Anschläge gegen dasLeben, die Besitzungen oder die Ehre der Könige,ihrer Minister, reicher, oder um das menschlicheGeschlecht wohlverdienter Männer ausgeheckt wer-den; wo die Verleumdung ihren wahren Sitz Hat,und alle jene saubern Künste erdacht werden, denLandeöfürst mit dem Unterthan, den Herrn mit demDiener, den Mann mit der Frau, die Kindermit den Eltern, Freunde und Verwandte miteinan-der in Zerwmfniß zu bringen; wo nran Unglücklichemit leeren Worten tröstet; Hungrige mit Wasser-suppen , und Durstige mit saurem Wein erquicken