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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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solchen ist man ihnen Ehrfurcht und Hochachtungschuldig; als solche sind sie berechtigt, von den Ge-meinden einen bescheidnen doch standsmässigen Un-terhalt zu verlangen; und diese sind gehalten, ihnensolchen zu reichen: Aber Reichthümer, und grosseGüter besitzen, ohne zu den allgemeinen Staatsbe-dürfnissen etwas beyzutragen; eine, obwohl unterge-ordnete, Gerichtsbarkeit haben; sich über die andernGlieder der Kirche einigen Gewalt anmaassen,und der Herrschaft des Landesfürsten sich entziehen,find lauter solche Sachen, welche aus vielen Grün-den dem Geist der wahren Kirche, dem Beyspieleder Apostel und dem Befehl unsers Heylands ganzwiderstreben. Diese nämliche Gründe entkräftenalle jene Kirchengesetze, welche die Macht, Reichtü-mer , Immunitäten und Ecemprionen von derweltlichen Botmässrgkeit, begünstigen, und darumals ungerechte, dem Wohl der Staaten nicht min-der als der Aufnahm der Kirche nachtheitige Sa-zungen müssen angesehen werden.

Die Papste, bevor sie Selbstbeherrscher von Romund dem Kirchenstaate geworden, träumten niemalssolche Anfoderungen auf die Bahn zn bringen, diesie nachher so hoch getrieben haben. Ihre Verord-nungen erstreckten sich nicht über die Gränzen ihre-Kirchsprengels. Die Weisheit und Nutzbarkeit der-selben bewogen öfters andere Bischöffe sie auch an-zunehmen. Die Vortrefftchkeit dieser Nerordmm-gcn also, und nicht die Oderherrschaft des Papstsbewirkten ihre Aufnahm und Vollziehung bey Frem.