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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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50
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sten Köpfe und Hände entziehen, weil fie geradeden brauchbaren gemeinen Mann am leichtesten ver-führen können, das ist nicht auszustehn. Denn eSist einem Staate allzuviel daran gelegen, daß einenüchterne Denkart und ein munteres Wesen unterseinen Gliedern herrsche, als daß er gelassen zuse.hen sollte, wie dieses fanatische Gesindel die Men-schen finster, aberwitzig, leichtgläubig. und zu fei-gen Memmen macht; welche, wie wir täglich sehen,von einer Capclle zur andern laufen, die Reliquienbesuchen, und mit dem Auswendiglehren und Ler-nen erdichteter Mirackel der lieben Heiligen beyder-ley Geschlechts die kostbarste Zeit versäumen. NeueQuelle der Armuth und des Elends, unter welchender gemeine Mann aller Orten seufzet! Danebenöffnet eine falsche Andacht, wenn dringender Man-gel dazu kömmt, den Weg zu allen Lastern. Letzterernämlich reitzt die Menschen, solche zu begehen, undihr Heiliger läßt fie hoffen, daß fie, vermittelst sei-nes Schutzes und seiner Vorbltte, bey Gott undMenschen mit unversehrter Haut davon kommenwerden. Ein hitziges Clima überspannt , wie ge-sagt, die Einbildungskraft. Kömmt dann noch diefeige Trägheit, ebenfalls ein eigenthümliches Gebre-chen unsrer Himmelsgegend, hinzu, so verursachetdiese schädliche Mischung bey unsrer Geistlichkeitden groben Fehler jener unerschütterlichen Hartnä-kigkeit ihre Meynungen zu behaupten, fie mögen auchnoch so falsch und unstatthaft seyn. Daher ge-wahren wir, wie ihr Aberglauben und ihre Irrthü-