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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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rath der Sitten sehen, worinn unsre hohe und nie-dere Geistlichkeit, vorzüglich aber der römische Hofbis an die Ohren steckt; wenn sie auf das schänd-liche Gewerbe achten, welches daselbst mit Glau-bensartickeln, mit dem Canonischen Rechte, mitder Kirchenzucht, kurz mit allem was heilig ist, ge-trieben wird) fangen bald an, eine so beschaffeneReligion zu verabscheuen , deren Diener Eine ab-scheuliche Bosheit um die andere lehren und aus.üben; und wähnen, daß ein guter Baum keine somchtswürdige Früchte tragen könne. Alsdann abergehen sie in ihren Trugschlüssen noch weiter; undbehaupten die Falschheit aller und jeder geoffenbar-ten Religion. Es ist also noch das größte Wunder,daß, bey dem elenden Unterrichte den das Volk vonseinen geistlichen Führern empfangt, und bey demärgerlichen Exempel , welches sie ihm dafür geben,die Freydenkerey nicht schon längst auch die niedrig-sten Classen der Menschen angestecket hat. Man kannsolches keiner andern Ursache zuschreiben, als der-jenigen welche Machiavel in seinen Discomsen überdie erste Deeas des Livius angiebt: Daß nämlichunser Clerus bey seinen Ausschweifungen dieseVorsicht brauche, dem Volk ab der Kanzel und indem Beichtstühle den Wahn beyzubringen, es seynicht selten unrecht, schwarz schwarz, und bös böszu nennen; hingegen verdienstlich, aller Obern Ge-walt , sie sey noch so nichtswürdig, Unterthan zuseyn, und die allenfalls verdiente Straffe ihrerFehltritte Gott zu überlassen. Aus alle diesem er-