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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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164
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gen , um der Wahrheit auf die Spur zu kommen,und sie aus allen Winkeln zu jagen, wo sie sich ver-stecken möchte. Also braucht ein edeles Volkbloß eine kurze Rechtsform, die simpel und gera.-e, wie es selber, ist; einer Nation von Betrügernhingegen muß das Gesetz, um des Gemeinen Veß-tens willen, Schlingen legen welche den Vögelnangemessen sind die man fangen soll. So bestuhndin den ersten Tagen der römischen Republick derdortige Civilproceß in sehr wenigem; aber mit Ver.lauf der Jahre, nach Maaßgeb daß sich Sitten undDenkart verschlimmerten, wurde er immer weitläu-figer , und endlich übermäßig lange. Zu der Zeitder XII. Tafeln , da Rom in der schönsten Blüthefeiner Tugend ftuhnd , trug das Gesetz die Tuteleines Waisen seinem nächsten Erben auf; denn demGesetzgeber konnte damals noch nur kein Gedankeaufsteigen, daß ein Vormund dem Leben seinesVogtkindes um eitler zu verhelfenden Erbschaftwillen nachstellen könnte: Aber bey den ganz ver-änderten Sitten dieser Römer, glaubte der Rechtssgelehrte Cajus den Erblassern den Rath schuldig znseyn, daß sie sich besser vorsehen, und einem substi-tuirten Erben niemals trauen sollten. An andernOrten, wo sich das Verderben ebenfalls einge-schlichen hatte, vertraute man die Tutel der Mut-ter oder einem andern Verwandten von der weibli-chen Linie; alle Verwandte von der männlichen Li-nie dagegen, als präsomptive Erben, waren da-von ausgeschlossen. Die Westgolhen hatten ein Ge-