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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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setz, kraft dessen einer seiner Braut nicht mehr alsden zehnten Theil seines Vermögms schenken durfte:Dieses Verdat sollte die Spanische Pralerey mässr-gen, die sich mit ausschweiffender FreygebigkeitEhre machen und in den Ruff der Großmnth se-zen will. Hingegen glaubten die römischen Gesetz-geber, solche Brautgeschenke nicht bestimmen zumüssen, weil ihnen die Sparsamkeit, Mässigungund Eingezogenheit ihrer Mitbürger ohnehin Bürgegegen jeden Mißbrauch war. Diese Beyspiele sind,meines Ermessens, hinreichend, um jedermann be-greiflich zu machen, wie wichtig es sey, bey jedemCwilgefttze den herrschenden Charackter seines Volksim Auge zu haben Als Solon befragt wurde: Ober den Arheniensern die beßtmöglichen Grsetze gege-ben , weißt man was er zur Antwort gab: Ja,die besten die sie vertragen mochten! Und denJuden sagte ihr göttlicher Gesetzgeber: «Ich habe»Euch Gesetze gegeben die nicht gut sind anund vor sich, nämlich ; aber immer die besten fürEuer ungeschlachtes und böses Geschlecht!

Eine dritte Hanptbetrachtnng ist diese: Daß dieGesetze, je nach der Verschiedenheit eines warmen,kalten, oder gemässrgten Himmelsstriches auch ver-schieden seyn müssen. Darum wird ein weiser Ge-setzgeber allemal mit seinen Verordnungen und An-stalten den aus Erfahrung eigenthümlichen Tugen.den einer jeden Erdgegend zu Hülfe kommen, undsich dagegen den Gebrechen und Fehlern, die sienatürlich erzeuget, mit Klugheit widersetzen. So