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Von einer Reformation in Italien : oder von den Mitteln, die gefährlichsten Missbräuche und die schädlichsten Gesetze dieses Landes zu verbessern / [Karl Antonio Pilati]
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170
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nicht mehr entlehnen konnte. Bey gewissen andernVölkern wird das Leben wie für nichts geachtet;hingegen fällt ihnen der Verlust der Ebre, die Ver-bannung , und der Cwiltod einer langen oder ewi-gen Gefangenfchast unerträglich; es wäre demnachNichts lächerlicher und zugleich unnützer , als solcheNationen mit der Todesstraffe zu bedrohen. AndreVölker endlich halten den Tod für das größte unterallen Uebeln; also kann er für sie, in Fällen, datzin verhältnismässiges Verbrechen solches erheischet,zur höchsten Straffe werden. Wahr ist es inzwi-schen , daß wenn ein Volk also gestnnet ist, dieSchuld allemal an der Regierung ligt , die sichNicht bestrebt ihiea Unterthanen bessere Gesinnun-gen, und ein hohes Gefühl von dem Werth derEhre und der Güter einzuflössen. So lange aberDieses Uebel bleibt, und man noch nicht den Wit-zen oder das Vermögen hat demselben abzuhelffen,so lange können die Todesstraffen nicht gänzlich ab-geschafft werden. Der beste Weg, den ein Landes-herr einschlagen kann, ist also unstreitig dieser,Daß er feinem Volke eine gewisse Denkart beyzubrin-gen trachte, vermöge welcher sie gewisse Dinge,ihrem Wesen nach, hochandre hingegen für gleich-gültig und wie für nichts schätzen; vornehmlich aberum der Ehre, um ihren Heerd, um des Vaterlandswillen alles thun und meiden lernen. Denn, wenneinmal eine Nation also gesinnet ist, wird die Re-gierung immer Mittel und Wege genug finden, dieVerbrechen im Zaum zu halten, und einem jeden,