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daran, durch sein verrätherisches Licht, jene lieb-lichen Gestalten nicht beleuchten zu lassen, welchebeim verschönenden Kerzenglanz noch immerunmuthig, nicht aber so reizend mehr, wiezu Ansang des Festes erschienen. Wahrend diejungen Leute noch fröhlich mit einander tran-ken oder kritisirten, entfernte Walberg sich un-bemerkt, um, seinem Wunsche gemäß, einsam zurStadt zurückzukehren. Die Pechfackeln warenzum Theil erloschen, oder glimmten nur trübenoch, indessen prachtvolles, im Osten erglühen-des Morgenroth, den vorn nächtlichen Thau er-frischten Bäumen und Gebüschen, zaubervolleBeleuchtung verlieh. Hochaufathmend sog derjunge Mann die belebende Morgenluft ein, inder Natur war Alles Friede und Frische, inseiner Brust nur Kampf und Ermattung; vonErinnerung des so eben Erlebten, mit lähmen-dem Ueberdruß erfüllt, in schwermüthiger Selbst-quälerei sich zurückrufend, wie die Dame seinerGedanken, die liebliche Mathilde West, wäh-rend des Festes nur Augen und Lächeln fürden glücklichen Sterneck gehabt, mußte er ein-räumen, daß dieser eine solche Huld durchungewöhnliche Beflissenheit hervor gerufen. —Und dennoch, murmelte er leise, liebt er sie nicht,aber Eitelkeit wird vereinen, was Liebe einzigverbinden sollte.
Sämmtliche Studirende waren von denbeiden Excellenzen, dere n Würde de sselben Mor-gens mit der zwölften Stunde erlosch, zueinem Frühstück in Srernecks Wohnung gela-den, wo ihnen zu solchem Zweck ein großerSaal eingeräumt worden. Zu grenzenlosemErstaunen seiner Adjutanten verließ Sterneckum 10 Uhr das Haus in Uniform, jede Be-gleitung ablehnend und kehrte erst eine Stundespäter, wenige Augenblicke vor der erwartetenAnkunft der Gäste, zwar heiter, doch mit einerfeierlichen Miene zurück, welche seine Umge-bung in gehörige Entfernung hielt. Nachdemauch Walberg eingetroffen, musterten beide Herrendie wehlbesetzten Tafeln, sodann höflich, dochaber mit aller Würde ihres Ranges, die jungenGäste empfangend, welche geräuschlos ihre Plätzeeinnahmen. Mit dem ersten Schlag der zwölftenStunde hatte Sterneck den Saal verlassen, undgleich darauf im einfachen Hausrock wieder-kehrend und mit heiterer Miene an den Ti-schen umher gehend, schüttelte er Jedem mitfreundlichen Worten die Hand; munteres Lachenbegrüßte ihn, von allen Seiten hörte man ihnDu und Sterneck nennen, jede Erinnerung anvergangene Größe schien erloschen, mit demGeneral war es vorbei, der fröhliche Studentwar wieder auferstanden. Die Gesellschaft bliebbis zum Abend beisammen und nachdem diese
sich entfernt, fand Sterneck sehr gerathen, sichzu Bette zu verfügen, um zum ersten Malnach 8 Tagen auszuschlafen.
Zur früher erwähnten Morgenstunde sichin Professor Wests Wohnung begebend, fandSterneck diesen in seinem Arbeitszimmer be-schäftigt, und seine großen, geistreichen Augen,mit dem ihm eignen Ausdruck tiefsten Erstau-nens, auf den Eintretenden richtend, fragtejener, welcher noch nie die mindeste Notiz vonSternecks Standeserhöhung genommen: Lieberjunger Mann, was führt denn Sie zu mir?
Eine Angelegenheit, Herr Professor, vonwelcher mein ganzes Lebensglück abhängt.
Jener lächelte ironisch, jedoch mit einigerGutmüthigkeit erwiedernd: Und die wollen Siemir anvertrauen? — Verziehen Sie ge,älligsteinen Augenblick; mir ist so eben ein Gedankeüber die Urpflanze gekommen, ein rechter echthimmlischer Lichtfunken! den ich erst zu Papierbringen möchte. Ist bald geschehen.
Sterneck, welcher sehr wohl wußte, daßder Professor, einmal in sein Liellingöstudiumvertieft, sich seiner sehr bald gar nicht mehrerinnern werde, entgegnete bewegt: Ich kannnicht warten, um 11 Uhr muß ich in meineWohnung zurück sein.
Und bis dahin soll das ganze Lebensglückaufgebaut sein? Nun, so kommen Sie gefälligstz ur Sach e, denn da haben Sie freilich Eile.
Ich liebe Jhre^ochtcr, Herr Professor.
Welche denn? Die Emma? —
Mathilde.
Ach! die liebliche Rose! — Lieber jungerMann, dagegen habe ich eigentlich nichts, in-sofern Sie mir die Einwilligung Ihres HerrnVaters bringen. Sind Sie deren gewiß? Ja?Sinn, da will ich denn doch meine Tochter befragen.
Sterneck blickte mit einiger Unruhe aufden Professor und dann auf die Uhr: Ja, ja,ich werde mich möglichster Kürze befleißigen;aber hören Sie, wenn Sie so desperat imZimmer umher rennen, stoßen Sie doch ge-fälligst nicht gegen jene Flaschen dort, Sierichten ein Unglück an! Eine Erploston, welchedas Haus in Trümmer legen und uns Allebegraben könnte. Bedenken Sie das! —
Des ernsten Augenblickes unerachtet wußteSterneck seinen Jugendmuth wenig zu bezäh-men, und sobald jener die Thür geschlossen,blickte er hell auflachend auf die unschuldigenFlaschen, wohl wissend, daß des Professorsgelegentlich angestellte Experimente höchst ge-räusch- und gefahrlos zu verpuffen pflegten.Nach einer Weile trat dieser fröhlich wiederein: Sie will! ich sage Ihnen, sie will! Kom-men Sie, kommen Sie! —
Mit fast jugendlicher Hast stürmte Pro-fessor West eine Treppe hinan, nur mitunteretwas beunruhigt rückwärts blickend, da Ster-neck ihn in langen Sätzen zu überflügeln drohre,dann eine Thür aufstoßend und die lieblicheTochter in seine Arme schließend, sagte er mitder väterlichsten Zärtlichkeit: Mein Engelchen,da bringe ich Dir den lieben jungen Mann,der sich in Dein süßes, himmlisches Gesichtchenverliebt hat! Da Du ihm gut bist, dem Glück-lichen! so sage es ihm — leider kann ich'snicht anhören — die Urpflanze ist mir in denKopf gekommen, mit Beweisen, woran vormir Keiner gedacht hat — es geht nicht —ich muß fort.
Der Professor ging, Thränen im Auge,und nach seiner Entfernung sich halb fragend,Halb schüchtern anblickend, sanken die Liebendeneinander in die Arme, im wohlverstandenenLiebesgeflüster sich vertrauend, was kein frem-der Zuhörer begriffen haben würde. Sterneckhatte mit ruhigem Selbstvertrauen auf günstigeAnnahme seiner Bewerbung gehofft, dennocherfüllte der vorhergesehene -Ausgang ihn mittiefer Rührung; er empfand, was es sagen will,sein ganzes Lebensglück in eines Menschen Hanvzu legen. Innere Bewegung milderte den fun-kelnden Glanz seines Auges, Liebe den stolzenAusdruck desselben und völlig beruhigt und ge-wonnen, lehnte Mathilde das Köpfchen trau-lich an seinen Arm, mit jener vergötterndenZärtlichkeit zu ihm ausblickend, womit man ge-liebte, höher gestellte Wesen betrachtet. Be-glückt, zufrieden niit ihrem Loose, trenntensich die Liebenden zur festgesetzten Stunde. —
Mathilde hatte auf einen zweiten Besuchihres jungen Freundes an demselben Tage ge-rechnet, wir aber wissen, daß dieser, nachdemdie Aufgabe des Festgebers glücklich von ihmgelöst worden, sich einer sehr heilsamen Rübeüberlassen. Am folgenden Tage trat er, stattin schimmernder Uniform, in dem sehr einfa-chen Anzüge zu seiner Braut ein, worin erdie Vorlesungen ihres Vaters zu besuchen pflegte.Halb überrascht betrachtete sie ihn; der vor-nehme Ausdruck, das ernste Wesen, waren demgewöhnlich etwas nachlässigen Anstande undübermüthigem Benehmen gewichen. — Das nichtschwierige /Errathen ihrer Gedanken belustigteihn: Ja, süße Mathilde, mit der glänzendenHerrlichkeit ist's vorbei! Du wirst jetzt gütigstDeine Huld dem schlichten Burschen im Stu-dentenrocke zuwenden müssen.
Ein Anflug unmuthiger Verwirrung ver-düsterte das holdeste Antlitz, ihr flüchtiger Blickstreifte die sehr zuversichtliche Haltung des Freun-